Krallen bestehen aus Horn (Keratin), so wie unsere Fingernägel. Sie wachsen immer nach und müssen daher regelmässig gekürzt werden. Im Idealfall nutzen sich die Krallen selbstständig ab durch Laufen, Buddeln, Spielen, Rennen oder dass Krallen schärfen der Katze.

Nun gibt es Umstände unter denen sich die Krallen nicht von selbst abnutzen, z. B. wenn der Hund vorwiegend auf weichem Waldboden spazieren geht oder altersbedingt nicht mehr so viel laufen kann. Oder das Kaninchen, welches in Innenhaltung auf Fleecedecken lebt und keine Möglichkeit hat sich die Krallen durch buddeln abzunutzen.
Es gibt eine Menge Gründe warum Tiere sich ihre Krallen in unserer modernen Welt nicht mehr selbstständig abnutzen können.

In diesem Fall müssen wir nachhelfen und die Krallen regelmässig kürzen! Zu lange Krallen behindern das Laufen, führen zu Schonhaltung, Verspannungen und letztendlich zu Schmerzen.
Die Krallen unserer Haustiere sind, im Gegensatz zu unseren Fingernägeln, im inneren durchblutet und von Nervenbahnen durchzogen, die propriozeptive Reize zum Gehirn senden.
Propriorezeptoren (Tiefensensibilität): Eigenwahrnehmung über Stellung, Haltung und Bewegung.
Dieses „Leben“ innerhalb der Kralle macht es mitunter schwierig die Kralle an der richtigen Stelle zu kürzen, ohne das Tier dabei zu verletzen. Insbesondere bei schwarzen Krallen ist es eine Herausforderung die richtige Schnittkante herauszufinden, welche bei hellen Krallen gut zu erkennen ist. Wenn man ein paar Regeln beachtet, klappt aber auch dies meist sehr gut.
Und keine Sorge: Sollte man doch einmal zu tief schneiden und es beginnt mitunter stark zu bluten, was übrigens auch Profis passieren kann, ist die Verletzung meist harmlos und die Blutung hört schnell auf.
Aber wie klappt es denn nun am besten?
- Zuerst müssen wir prüfen ob die Krallen überhaupt gekürzt werden müssen. Das geht am besten mit einem Stück Papier oder einer dünnen Visitenkarte. Steht der Hund auf einem glatten Boden, führen wie die Visitenkarte langsam unter den jeweiligen Fuß. Gleitet sie ungehindert unter die Ballen, ist alles ok. Stoppt sie hingegen an den Krallen, sind diese zu lang und müssen gekürzt werden. ACHTUNG: Die Daumenkralle nutzt sich am wenigstens ab und muss augenscheinlich kontrolliert werden. Sie darf sich nicht um sich selbst drehen und nicht ins Fleisch schneiden.
- Nun benötigen wir das richtige Werkzeug: eine Krallenzange, die von der Größe angemessen für unser Haustier ist
-> kleines Tier = kleine Zange, großes Tier = große Zange
Ganz besonders wichtig: die Zange muss scharf sein! Damit wir die Krallen wirklich schneiden und nicht quetschen! Ist die Zange stumpf und wir quetschen die Kralle ist dies schmerzhaft und die Kralle könnte splittern.
Welches Modell man nutzt ist letztendlich persönliche Vorliebe und man muss sich da etwas ausprobieren, um das Werkzeug zu finden, welches einem am besten in der Hand liegt. Ein klassisches Modell wäre zum Beispiel dieses: Krallenschere für Hunde & Katzen
Kleine Krallenschere für kleine Hunde, Kaninchen und Meerschweinchen: Krallenschere XS
Mein persönlicher Favorit: Krallenschere aus Stahl
Tip: Guillotinen für Krallen finde ich, aufgrund der Verletzungsgefahr, wenn der Hund mal seine Pfote wegzieht, nicht so gut geeignet. Zu schnell bleibt der Hund darin hängen und verletzt sich unnötig. - Eine kleine Taschenlampe oder eine beleuchtet Krallenschere kann hilfreich sein, um die Blutgefässe im Inneren der Krallen sichtbar zu machen. -> Stifttaschenlampe
- Das Tier gut sichern, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Hilfreich ist es zu zweit zu arbeiten, damit eine Person das Tier festhalten kann, während eine weitere Person die Krallen schneidet.
- Für den Notfall: Küchenkrepp und Blutstillpulver oder Kernseife parat legen, um eine Blutung schnell stoppen zu können.
Blutstillpulver auf ein Küchenkrepp geben und die Blutung damit abdrücken. Alternativ kann man die blutende Kralle auch in ein Stück Kernseife drücken. Im Regelfall hört die Blutung schnell auf, maximal nach 2 Minuten.
(Hört die Blutung nicht auf oder Zeigt der Hund im Nachgang Symptome einer Entzündung oder humpelt er, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden!) - Die optimale Schnittkante festlegen: parallel zum Boden! Und nun setzen wir ein Stück vor unserer perfekten Linie an und arbeiten uns dann millimeterweise Stück für Stück voran. Schauen wir uns die Schnittkante von unten an, halten wir Ausschau nach einem schwarzen Punkt in der Mitte, dies ist der Anfang des lebendigen Teiles der Kralle. Können wir diesen sehen stoppen wir!

CAVE: Bei sehr langen Krallen wächst auch das Leben im inneren der Kralle immer länger. Solche Krallen können nicht sofort auf die gewünschte Länge gekürzt werden. Wir arbeiten uns beim ersten mal so weit voran, wie möglich und wiederholen das Krallenschneiden nach 6-10 Tagen. Diesen Vorgang wiederholen wir so oft, bis die Krallen auf eine normale und gesunde Länge gekürzt wurden.
Kleiner Tip: wenn wir schon dabei sind die Krallen zu kürzen, sollten wir die Gelegenheit nutzen, auch direkt die Pfotenballen und vor allen dingen die Zwischenräume der Ballen zu untersuchen. Schnell verfängt sich hier etwas im Fell und behindert beim Laufen oder ruft Verletzung hervor.
Im Sommer sollte das Fell zwischen den Pfotenballen leicht gekürzt werden, aber nicht zu kurz, so daß der Hund noch Schutz vor heißem Asphalt hat.
Im Winter wird das Fell zwischen den Ballen ganz kurz geschoren, damit sich keine Eisklumpen darin bilden und Schmerzen verursachen können.
Besonders ältere Hunde, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, sind häufig sehr dankbar für das Kürzen des Fells an den Pfotensohlen, weil sie auf glatten Boden dann nicht mehr so schnell wegrutschen,
In diesem kurzen Video habe ich es schnell und bündig erläutert:
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