Notfälle

 

Notfälle treffen uns meist unvorbereitet und plötzlich. Umso wichtiger ist es sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen wie man im Notfall handeln kann. Das Ganze vorher gedanklich durchzuspielen gibt Sicherheit, ermöglicht es uns im Ernstfall schnell zu handeln und das Richtige zu tun…. und unserem Tier, im besten Fall, das Leben zu retten!

Empfehlenswert ist es einen Erste-Hilfe-Kurs zu belegen, den einige Hundeschulen, Tierärzte oder Tierheilpraktiker anbieten.

Ein Notfall muss immer schnell versorgt werden: das bedeutet, das man zu Hause oder unterwegs bereits eine der Situation angemessene, Erstversorgung vornimmt und dann zügig in eine Tierklinik fährt!

Die Rufnummern der Giftnotrufzentrale und der nächstgelegenen Tierklinik sollten im Handy eingespeichert sein!

Giftnotrufzentrale: 06131 192 40  oder unter  BVL – Liste der Giftnotrufzentralen

Kleintierklinik Duisburg-Asterlagen: 02065/90380  – Dr.-Detlev-Karsten-Rohwedder-Str. 11, 47228 Duisburg  oder unter Tierkliniken

 

Notfallplan:

bei Verletzungen

  • Sicherheit! ein Hund der verletzt ist reagiert nicht wie gewohnt! Der Hund sollte also zunächst eine Maulschlinge oder einen Maulkorb bekommen. Wir können unserem Hund nur helfen wenn wir selbst unverletzt bleiben!
  • Blutungen mit einem Verband / Druckverband stoppen
  • Große Hunde können zu zweit auf einer Decke liegend transportiert werden
  • im Auto sollte möglichst eine zweite Person beim Hund bleiben
  • auf dem Weg zur Klinik meldet man sich telefonisch an, so kann der Hund direkt in Empfang genommen und versorgt werden

 

bei Vergiftungen

Vergiftungen können entstehen durch das Fressen von Medikamenten, Alkohol, Giftpflanzen, Putzmittel, Giftköder (z. B. Rattengift), aber auch durch Schokolade etc.

Häufig Symptome einer Vergiftung sind starkes Speicheln, Zittern, Apathie, Schwäche, Kreislaufprobleme, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe, neurologische Ausfälle, Blut im Erbrochenen, Kot oder Urin, Atemnot, schwach durchblutete (fast weiße) Mundschleimhaut…
Symptome können einzeln oder kombiniert auftreten.

  • zunächst die Giftnotrufzentrale (06131 192 40 ) anrufen, dort bekommt man die ersten Ratschläge was zu tun ist
  • zum Tierarzt oder zur Tierklinik sollte man, wenn möglich, die Verpackung oder eine Probe des gefressenen Giftes mitnehmen: je genauer die Identifizierung des Giftes ist, umso besser kann dem Tier geholfen werden!
  • hat der Hund oder die Katze etwas gefährliches gefressen können wir zeitnah innerhalb von 0,5-1 Std., (bevor der Verdauungsprozess eingesetzt hat)  versuchen ein Erbrechen zu provozieren. Dazu flösst man dem Hund ein Glas gesättigte Salzlösung ein. Zur Herstellung einer gesättigten Salzlösung rührt man soviel Salz in lauwarmes Wasser ein, bis es sich nicht mehr auflöst. Diese Lösung kann mit einer Spritze (ohne Nadel) direkt ins Maul verabreicht werden – dies führt in der Regel binnen kürzester Zeit zum Erbrechen.
  • bei vielen Giften hilft Kohle zur Entgiftung. Kohle bindet Gifte und hilft diese unbeschadet auszuscheiden. Zur Verabreichung löst man 15-25 Kohletabletten (je nach Größe des Hundes) in 150-250ml Wasser und verabreicht dies dem Hund / der Katze mit einer Spritze (ohne Nadel) direkt ins Maul. Am besten macht man das Draußen, denn es gibt eine große Schweinerei!
  • bei einigen Giften (z. B. viele Putzmittel, Alkohol etc.) hilft es die Gifte mit Wasser zu verdünnen. Wir flössen dem Hund (je nach Größe 250 – 1000ml klares Wasser (nicht zu kalt) mit einer Spritze direkt ins Maul ein. Dies verdünnt die aufgenommene Giftmenge und hilft dem Körper dieses zu verarbeiten. Alternativ kann man dem Hund auch Fleischbrühe (ohne Salz) anbieten, die er freiwillig trinkt.
  • bei der Aufnahme von Rattengift sollte so schnell wie möglich der nächste Tierarzt aufgesucht werden! Dieser wird Vitamin K spritzen, welches die Blutgerinnung anregt.
  • wurde etwas Scharfkantiges verschluckt, geben wir dem Hund Sauerkraut zu fressen. Dieses umwickelt die scharfkantigen Gegenstände im Darm und vermeidet somit Verletzungen des Magen-Darm-Traktes

 

beim Schock

Welche Arten eines Schocks gibt es?

  • Herz-Kreislauf-Schock (karzinogener Schock)
  • durch Nerven bedingter Kreislaufausfall (neurogener Schock)
  • Vergiftung (septischer Schock)
  • Allergien (anaphylaktischer Schock)
  • Blutverlust (hypovolämischer Schock)

Welche Symptome können bei einem Schock auftreten?

  • erhöhte Herzfrequenz
  • schneller, schwacher Puls
  • erhöhte Atemfrequenz
  • blasse bis weißliche Schleimhäute
  • Schwäche, evtl. Zittern

Es können alle aber auch nur einzelne Symptome bei einem Schock auftreten.

Erste Maßnahmen:

  • Ruhe bewahren und Stress für das Tier vermeiden!!!
  • frische Luft
  • das Tier hinlegen und ruhig halten
  • ggf. Halsband oder Geschirr entfernen
  • wenn möglich Ursachen beheben (z. B. Blutungen)
  • Puls kontrollieren
  • Reanimation, falls ein Herzstillstand eintritt
  • kalte Gliedmaßen wärmen (z. B. mit Decken oder Wärmflasche)
  • KEINE Flüssigkeit oder Nahrung verabreichen!
  • falls das Tier erbricht: den Kopf so niedrig halten das er der tiefsten Punkt des Körpers ist (Erbrochenes darf nicht in die Atemwege gelangen!)
  • Tier auf der rechten Körperseite lagern, die hintere Körperpartie leicht erhöht
  • Atemwege frei halten

Ein Schock ist eine lebensbedrohende Situation und muss schnellstens behandelt werden. Tiere im Schock müssen schnell zum Tierarzt oder zur Tierklinik! 

 

Aufgasung bei Kaninchen oder Meerschweinchen

  • stellen Kaninchen oder Meerschweinchen für längere Zeit das Fressen ein ist dies immer ein Notfall dar, der vom Tierarzt oder in der Tierklinik behandelt werden muss! Oftmals handelt es sich hierbei um eine Aufgasung.
  • Notfallmedikamente die man vorab zu Hause verabreichen kann sind z. B. Sab Simplex, Dimeticon oder Digestiv-Lösung, dazu  RodiCare Akut und Novalgin
  • eine handwarme Wärmflasche hält die Temperatur! Denn bei einer Aufgasung wird das Tier, bedingt durch den mangelnden Stoffwechsel, schnell an Untertemperatur leiden (Untertemperatur >38°C)
  • eine sanfte Bauchmassage kann die Verdauung wieder in Gang bringen
  • in der Tierklinik kann eine Diagnose durch ein Röntgenbild erstellt werden und das Tier entsprechend versorgt werden!
Bei allen Notfällen:
Tierarzt oder Tierklinik anrufen und die Anweisungen befolgen!

 

Terminvereinbarung: info@tierheilkunde-im-pott.de